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Auftrag geschrieben am 03.10.2009 22:00:44

Sorgerecht entziehen lassen

Rechtsgebiet: Familienrecht | Status: angenommen
Guten Abend,

die Mutter meiner beiden Kinder (4 und 8, nicht verheiratet) hat vor etwa viereinhalb Monaten die gemeinsame Wohnung verlassen und seitdem ihren Lebensmittelpunkt nach Palästina verlegt.

Ich möchte eine realistische Einschätzung, ob ich ihr erfolgreich das Sorgerecht entziehen lassen kann.

Im Detail: Sie hat im Auftrag einer Stiftung ein Libretto für eine Oper geschrieben, die mit Kindern in Ramallah aufgeführt worden ist. Während eines Besuches der Proben wurde deutlich, dass die Produktion sehr schwierig ist, sie ist zusätzlich als Regisseurin in die Produktion eingestiegen. Das war vor reichlich vier Monaten.
In dieser Zeit hat sie sich in den ersten Regisseur und Hauptdarsteller der Produktion verliebt und lebt seit mindestens acht Wochen mit ihm zusammen.

Unsere beiden Kinder sind in der Zeit der Produktion der Oper etwa eine Woche mit in Ramallah gewesen, dabei ist Karl, der ältere, wissentlich eine Woche vom Schulunterricht ferngehalten worden. Den grössten Teil dieser Zeit ist ein gemeinsamer Freund mit in Ramallah gewesen, um die Kinder während der Arbeit zu betreuen - ich bin dann verabredungsgemäss nach Ramallah geflogen, um die Kinder abzuholen.

Danach war ich vier Wochen allein mit den Kindern in der gemeinsamen Wohnung, z.T. unterstützt von meinen Eltern. Die Kommunikation - auch zu den Kindern - beschränkte sich auf eMail und sehr seltenes Video-Telefonieren über Skype.

Sie war insgesamt sechs Wochen in Ramallah.
Seit wann das Verhältnis besteht, kann ich nicht sagen - möglicherweise auch schon seit vorbereitenden Treffen im Januar bzw. März diesen Jahres.

Nach der Premiere der Oper kam die Mutter meiner Kinder in die gemeinsame Wohnung und eröffnete mir, dass es da jetzt einen anderen Mann gibt, eben den Regisseur/Schauspieler. Sie möchte nicht - wie geplant - in den Ferien auf das Gartengrundstück fahren, sondern stattdessen mit dem Mann gemeinsam eine weitere Produktion machen. Er "wolle übrigens auch die Kinder".
Das war etwa am 20. Juli. Prinzipiell habe ich dem zugestimmt und angeboten, dass ich in der Nähe mit den Kindern Urlaub machen könnte, damit sie dieses neue Leben ausprobieren kann und trotzdem die Kinder manchmal sehen. (ja, ich weiss, es ist verrückt).

Danach haben wir ohne wirkliches Gespräch über die künftige Lebensplanung die baden-württembergischen Schulferien abgewartet. Dann hatte sie einen einwöchigen Workshop zu geben an der Kinderakademie in Fulda, hier war bereits längerfristig verabredet, dass ich mitfahre und tagsüber die Kinder betreue, damit sie sie abends sehen kann. Am Tag nach dem Workshop (am 08. August) ist sie mit den Kindern nach Jerusalem geflogen und in die Wohnung des Mannes gezogen. Ich war zu diesem Zeitpunkt beruflich verhindert. Die Adresse der Wohnung ist mir trotz mehrfachen Nachfragens nicht mitgeteilt worden.

Zur Unterstützung, damit überhaupt an der Aufführung gearbeitet werden kann und die Kinder "nicht stören" ist eine gemeinsame Freundin mitgefahren für die Betreuung der Kinder - die Freundin könnte bei einem Gerichtsstreit Aussagen über die Art des Zusammenlebens vor Ort machen. Der tägliche Kontakt der Mutter zu den Kindern beschränkte sich auf kurze Phasen am Vormittag, überschattet von cholerischen Anfällen des Mannes, wenn die Kinder etwas angefasst haben, was zur Produktion gehörte.
Die Freundin beschreibt, dass sie selbst ausserordentlich respektlos, wie ein Dienstbote behandelt wurde, mit den Kindern sei es nicht so dramatisch gewesen, aber Fürsorge, Aufmerksamkeit hätten sie nicht wirklich erfahren.

Dann bin ich - Mitte August - geflogen, die Freundin abzulösen. Auf einem Busbahnhof in Jerusalem wurden mir die Kinder gebracht, nach einem gemeinsamen Frühstück bin ich dann mit ihnen für eine Woche in ein Hotel in Jericho gefahren. In dieser Zeit hat uns die Mutter zweimal besucht, einmal über Nacht.

Nach der Woche in Jericho bin ich (über eine Übernachtung in Jerusalem - hier gab es ein gemeinsames Frühstück) eine weitere Woche in eine Ferienwohnung bei Tel Aviv gefahren, ebenfalls zwei Besuche der Mutter, einmal über Nacht.

Ich selbst habe ebenfalls das Gefühl, ausserordentlich respektlos behandelt worden zu sein, wie ein Dienstbote, der gefälligst seine Aufgaben zu erfüllen hat und keine Rechte / Ansprüche geltend machen kann.

Dann bin ich nach Deutschland zurück und habe die Kinder für eine Woche zu meinen Eltern gebracht, da ich beruflich eine grössere Aufgabe vorbereiten musste, dann habe ich die Kinder wieder abgeholt, da die Schulzeit begann. Hier war die Mutter für etwa eine Woche "auf Besuch" - seitdem bin ich wieder seit nunmehr vierzehn Tagen alleinerziehend.

Der Kontakt zwischen Mutter und Kindern beschränkt sich wiederum auf gelegentliche Videotelefonie, wenn es denn zufällig klappt - ein von mir angeregtes Zeitfenster von einer Stunde konnte durch die Proben in Jerusalem nur einmal genutzt werden, seitdem war es zufällig. In der letzten Woche gab es gar keinen Kontakt zwischen ihnen, mit mir nur per SMS.

Das sind die einfachen Fakten, fast alle Emotionen ausgefiltert.
Im Prinzip fühle ich mich seit viereinhalb Monaten alleinerziehender Vater zweier Kinder, die in dieser Zeit die Mutter gesehen haben:
* eine Woche in Ramallah, betreut vom Freund
(hier vier Wochen am Stück nicht gesehen!, danach das Geständnis, dass sie ein Verhältnis hat)
* eine Woche hier, letzte Schulwoche
* eine Woche Fulda, betreut von mir
* eine Woche Jerusalem, betreut von Freundin
* die vier Besuche in meinen zwei Wochen dort
* eine Besuchswoche
Beide Kinder sind durchgehend im Schwerpunkt von anderen Personen betreut worden (zwei verschiedene Freunde in Palästina / Israel bzw. von meinen Eltern, die sie allerdings sehr lieben).

In den drei Monaten, die ich von der Beziehung weiss, gab es keine Aussage von ihr, ob die Beziehung zu dem Mann auf Dauer gestellt werden soll, sie wolle aber mit ihm auf jeden Fall weiter arbeiten (es war von weiteren Projekten die Rede), ob sie mit mir noch eine Beziehung haben möchte... es ist alles absorbiert, aufgesaugt, untergeordnet der Arbeit an dieser Produktion. Auch die Kinder sind letzten Endes vergessen - als Beispiel: nach der Besuchswoche habe ich sie zum Bahnhof gefahren (15 km entfernt), und erst am Ortsausgang ist ihr eingefallen, dass sie sich ja gar nicht von den Kindern verabschiedet hat.

Ich kenne dieses Absorbiertsein auch aus anderen Arbeitszusammenhängen, beispielsweise wenn sie ein Stück schreibt, aber diesmal ist es - durch die Liebesgeschichte - natürlich extremer.

Ich möchte nun eine realistische Einschätzung, wie gross meine Chance wäre, ihr das Sorgerecht entziehen zu lassen - wegen emotionaler Vernachlässigung oder Egozentrismus oder was immer das Gesetzblatt da für Formulierungen findet.
Ausziehen aus der gemeinsamen Wohnung. Verhältnis mit einem Mann, der in Palästina bzw. Ost-Jerusalem lebt und arbeitet, übrigens ohne Visum (er ist französischer Staatsbürger, versteht sich aber als Palästinenser bzw. gibt sich als solcher aus, die Mutter war Palästinenserin).

Ich habe einfach - neben meinem natürlichen Interesse, die Kinder bei mir zu behalten - wirklich Sorge, dass sie, wenn sie die Kinder bei sich hätte, in ähnlichen Arbeitssituationen die Interessen der Kinder zu sehr ihren eigenen unterordnet.

Ich bin angestellt an einer staatlich finanzierten Bildungseinrichtung im gehobenen Management, habe also ein zwar nicht rasend hohes, aber sicheres Einkommen. Sie ist Autorin und hat daraus und aus anderen Tätigkeiten in der Regel ein Jahreseinkommen, das knapp an der Bemessungsgrenze für Steuerzahlungen liegt, ein ausgesprochen unsicheres Einkommen, starken Schwankungen unterliegend, etwa ein Drittel von meinem. Für Ausgaben im familiären Bereich (Miete, Kursgebühren etc.) komme ausschliesslich ich aus mit Ausnahme von Lebensmitteln und gelegentlich Kinderkleidung.

Für den älteren hatten wir damals so ein Papier über "geteiltes Sorgerecht" unterschrieben, für die jüngere nicht - aber meines Wissens wird nach dem modifizierten Familienrecht prinzipiell von geteiltem Sorgerecht ausgegangen. Beide Kinder tragen meinen Namen.

Wie gross wären meine Chance, ihr das Sorgerecht entziehen zu lassen? Am besten in Prozent... und wie schnell könnte man eine solche Klage einreichen?

herzlichen Dank



Auftrag angenommen am 03.10.2009 22:39:40
Rechtsanwältin Natascha Unruh
Hasenmark 21, 13585 Berlin, Tel: 030/36 75 37 13, Fax: 030/36 75 37 21
Arbeitsrecht, Familienrecht, Strafrecht, Zivilrecht, Sozialrecht
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